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Großstadt-Symphonie in Aschaffenburg

Großstadt-Symphonie

Alfred Döblins Roman Berlin Alexanderplatz (1929) und Walter Ruttmanns Film Berlin – die Sinfonie der Großstadt (1927) rückten die Stadt in ihrer vielfältigen Lebenswirklichkeit und Dynamik in den Fokus der Kunst. In der am 25. Juli gestarteten Ausstellung Großstadt Symphonie bieten die drei Künstler Tom Christoper (Jg.1952), Detlef Waschkau (Jg.1961) und Thomas Kellner (Jg.1966) jeweils eine verschiedene zeitgenössische Annäherung der Kunst an die Großstadt.

 

Großstadt und ihre Symphonie

Wenn wir von einer Großstadt sprechen, dann reden wir von einer Stadt mit mindestens 100.000 Einwohnern. In der Wirklichkeit gibt es allerdings noch viel mehr Faktoren, die eine große Stadt auch wie eine Großstadt wirken lassen. Wenn wir uns die weltbekannten Beispiele wie Berlin, New York und San Francisco vorstellen, dann denken wir nicht nur an die hohe Einwohnerzahl, sondern auch an die besonderen Eigenschaften der Städte, wie zum Beispiel die Architektur, Wahrzeichen und das nie stillstehende Leben in der Großstadt. Diese Einzelteile lassen sich als ein Stück aus verschiedenen Klängen verstehen. Die ganzen Menschen, Bauwerke und Einrichtungen existieren nicht nebeneinander, sondern sind ein Zusammenspiel verschiedener Elemente. Daher liegt es nahe, die Großstadt mit der Symphonie zu verbinden. Denn eine Symphonie zeichnet eine Gesamtheit aus, die verschiedenartige Einzelheiten eindrucksvoll zusammenwirken lässt. So lassen sich die Einzelteile der Stadt zu einem Orchester zusammenfügen und erzeugen eine harmonische Symphonie der Großstadt.

 

Drei Künstler und ihre Großstadt Symphonie

Der für seinen expressionistischen Stil bekannte amerikanische Maler Tom Christopher präsentiert dem Besucher die Symphonie der Großstadt New York. Mit leuchtender Farbigkeit verleiht er der, auf Leinwand und Papier projizierten, Metropole und ihren Wolkenkratzer einen neuen Klang. Der gebürtige hannoverische Künstler Detlef Waschkau stellt seine Holzreliefs der Großstädte Osaka, Peking und New York zur Verfügung. Mit der Kombination des bildhauerisch und malerisch gestalteten Stiles wird eine multiperspektivische Sicht auf Mensch und Architektur erzeugt, die das Zusammenleben und die Symphonie der städtischen Melodie widerspiegelt. Der Siegener Fotokünstler Thomas Kellner stellt sein schwarz-weißes Werk von berühmten Wahrzeichen vor. Dieses beinhaltet Komposit Fotografien der Bauwerke, wie der Golden Gate Bridge oder dem Pariser Eiffelturm. Diese wurden dekonstruiert und aus neuen Perspektiven rekonstruiert. Damit verleiht er den Wahrzeichen Schwingungen und neuen Rhythmus. Die Großstadt Symphonie ist allerdings nicht nur eine Ausstellung drei verschiedener Werke. Denn obwohl die Künstler unterschiedliche Stile und Großstädte aufgearbeitet haben, lassen sich diese Werke als harmonierende zusammenwirkende Stücke und damit als eine Symphonie verstehen.

Mit der Ausstellung der Großstadt Symphonie haben die Besucher des Kunstlandings die Möglichkeit die weltbekannten Städte und Bauwerke in Aschaffenburg zu erleben und sich auf die beeindruckende Symphonie der Werke einzulassen.

 

Biographie der Künstler

Seine Begeisterung für das städtische Leben New Yorks ist es, die Tom Christophers Motivwahl beeinflusst, ihn zu immer neuen Blicken inspiriert. Die Wolkenkratzer New Yorks sowie die Busse, Taxen, Fahrradfahrer und Fußgänger sind Thementräger seiner Werke. Christophers Bilder erzählen Geschichten sowie kleine Anekdoten aus dem Alltagsleben. Immer wieder greift er dabei die Einzelperson aus der hektischen Menschenmasse mit ihrer Geschichte heraus: Der Kurier, der sich im hektischen Verkehr gerade noch auf dem Rad halten kann; der Fußgänger, der sich mit einem Sprung vor dem heranrasenden Auto rettet; die Müllmänner, die den rauchenden Abfall wegrollen.Tom Christopher beginnt ein Bild mit dünnen Graphitstrichen. Sie durchdringen Personen, Autos und Busse und spannen eine Art Konstruktionsnetz über die gesamte Leinwand. Die noch sichtbaren Spuren dieses feinen Netzes schließen die in der Metropole New York eingewobene „Sozialfabrik“ ein.Hier sind die Protagonisten in Christophers urbanen Dramen miteinander verstrickt.Der flüssige Pinselstrich, der Mut zu Leerstellen auf der Leinwand und die leuchtende Farbigkeit verleihen den Themen Tempo und Bewegung. Immer wieder aufs Neue gelingt es ihm, die Dynamik der Großstadt in das Bild- geschehen zu übertragen sowie die Atmosphäre, die Farben und die Geräusche in seinen Werken zu visualisieren.1993 war Tom Christopher als Dozent an der Parsons School of Design in New York tätig. Er führte 2019 ein Projekt mit dem Fashion Institute of Technology durch: „The future is massive“. Hier wurde virtuelle Kunst, gefüllt mit Farbe kreiert, um Opioid Patienten einen Ausweg zu bieten von ihren Schmerzen und Ängsten. 2020 wurde in der Laverdin Galerie seine Gemälde unter dem Motto „Life Before A Pandemic“ ausgestellt. Tom Christopher erzählt auch in diesem Werkzyklus über das „normale und dynamische Treiben der Stadt New York und schenkt dem Betrachter ein Stück Normalität in Zeiten der Pandemie.Durch Ausstellungen in der Galerie sowie der Präsentation seiner Bilder auf Messen in Frankfurt, Köln, Karlsruhe, Zürich, Miami, Palm Beach und Chicago wurden auch weltweite Sammlungen auf ihn aufmerksam. Seine Werke sind in zahlreichen Museen und privaten Kunstsammlungen vertreten.

(Text courtesy Galerie Barbara von Stechow)

 

Mit großer Überzeugungskraft und erstaunlicher Aktualität widmet sich der Bildhauer und MalerDetlef Waschkau dem traditionellen Genre der gemalten Straßenszene. Dabei übersetzt er das vertraute Motiv vom Leben in der Großstadt in die Bildsprache des 21. Jahrhunderts und offeriert dem Betrachter ein lebendiges Bild, das der permanenten Transformation bei gleichzeitig zunehmender Uniformität der Metropolen entspricht.Unterwegs in Europa und Japan, Peking, New York wird er zum Erzähler, der mit großer Freude am Detail aus vielen Motiven urbane Lebensräume zusammenfügt. In seinen Werken wird ein „Livestream“ sicht- bar, der in seiner energetischen Mischung von kurzen Sequenzen in den einzelnen Bildschichten lebt und deren Akteure individuelle Dynamik und grenzenlose Mobilität ausstrahlen. Bei Detlef Waschkau mutiert die Stadt zur Bühne für eine junge Generation, die schwerelos durch Architektur und Topografie gleitet – ausgestattet mit zeitgemäßen Accessoires und immer verbunden mit elektronisch vermittelten Informationen aus Mobiltelefon und iPod.

Elke von der Lieth

 

Thomas Kellner wurde 1966 in Bonn geboren. Er studierte Kunst, Soziologie, Politik und Wirtschaft an der Universität Siegen. 1996 erhielt er den Kodak Nachwuchs-Förderpreis, der ihn zu einem Leben als Künstler ermutigte. Seit dieser Zeit lebt Kellner als Künstler und Kurator fotografischer Ausstellungsprojekte in Siegen. 2003 wurde er in die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) berufen. Der Fotokünstler hat seine Arbeiten seit 2002 in Einzelausstellungen in Deutschland, Australien, Russland, China, Frankreich, Polen, Dänemark, Brasilien und in den USA gezeigt und war an zahlreichen Gruppenausstellungen und Publikationen beteiligt. Seine Arbeiten sind in bedeutenden privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten. Der Fotokünstler ist bekannt für seine Bilder von scheinbar tanzender Architektur weltweiter Sehenswürdigkeiten. Seine Arbeit ist von Prof. Dr. Irina Chmyreva als einzigartige „Visuelle analytische Synthese“ bezeichnet worden. Dabei wird nicht nur ein Bild, sondern viele geplante in Reihe auf Film aufgenommen, um sie zu Kontaktbögen zusammenzuführen. Sein kreativer Prozess beinhaltet Konstruktion, das fertige Werk gleicht aber eher einer Dekonstruktion und wird häufig dem Kubismus zugeordnet. Die Werke imitieren das Wandern des Auges, welches uns Segmente des Ganzen zeigt, die zusammengeführt werden zu einem Bild. Seine Bilder rekonstruieren unseren Blick auf die Architektur oder den Gegenstand.

Großstadt-Symphonie
25. Juli – 12. September 2021
Neuer Kunstverein Aschaffenburg e.V., Aschaffenburg

 

Ausstellende Künstler: Tom Christopher, Thomas Kellner, Detlef Waschkau

Neuer Kunstverein Aschaffenburg e.V.
Landingstr.16, 63739 Aschaffenburg
+49 6021 299278
nkvaschaffenburg@t-online.de
www.kunstlanding.de

Öffnungszeiten:
Dienstag  14–19 Uhr
Mittwoch – Sonntag 11–17 Uhr

Dankeschön

Ein ganz herzliches Dankeschön an den Neuen Kunstverein Aschaffenburg, Elisabeth Claus und das gesamte Team, die die Ausstellung der Großstadt Symphonie ermöglicht haben.

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