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Der Grand Canyon

[...Und uns bleibt nichts, als die einzelnen Bildteilchen zu betrachten, wie in stiller Andacht, bis nun wir zu Schwanken beginnen. ...] Freddy Langer

Wenn man das Bild aus genügend Abstand betrachtet, sieht man eine Landschaft aus Steinen in verschiedenen Rot- und Brauntönen. Auch ohne Angabe des Titels ist offensichtlich, dass es sich um den Grand Canyon handelt. Es ist ein Phänomen, dass aus der Ferne ein ganzes Bild zu erkennen ist und man erst aus nächster Nähe zur Oberfläche ein Verständnis für das Kunstwerk, das aus vielen kleinen Fotografien besteht, die Details der Landschaft zeigen und ein zusammenhängendes erkennbaren Bild erzeugen, erhält. Es ist eine neue Stufe der Kunst mehrere Fotos zu einem zu machen, eine individuell und einzigartig gestaltete Landschaft bestehend aus kleinen Realitätsstücken, ein Abbild von Mutternatur. Die Kombination aus weitläufiger Landschaft, unberührter Natur und einer maschinell hergestellten Kamera, die Aufnahmen von diesem Ort macht und einen Moment eines kontinuierlichen Prozesses von Veränderung festhält, ist bereits eine Leistung für sich. Aber Teile dieses natürlichen Monuments zu verwenden, das sich durch seine Einzigartigkeit auszeichnet, zusammenhangslose Details wie die roten und braunen Felsen, den blauen Himmel oder Licht  und Schatten zu verwenden, sie ihrem Kontext zu entreißen und mit den gewonnenen Elementen eine neue Einzigartigkeit zu erschaffen, einen neuen Grand Canyon, ist ein Schritt die Natur aus ungewöhnliche Weise zu erleben und neue Perspektiven zu eröffnen. Aus diesem Grund arbeitet der Künstler mit Gegensätzlichkeit. Eine Abfolge von Inkohärenz und Dekonstruktion, die zu einer Rekonstruktion und Schaffung von etwas noch nie da Gewesenem führt, ähnlich einer Wiedergeburt oder eines Kreislaufes, und eine neue Bildsprache aufweist.

Der Grand Canyon ist bereits Motiv vieler Kunstwerke, in der Sammlung Thomas Kellners repräsentiert er jedoch ein neues Thema. Längst verweisen seine berühmten Kunstwerke, bestehend aus einer Montage aus Kontaktbögen, auf beliebte Motive wie den Grand Canyon. Anstelle von Natur reproduzieren sie jedoch Fragmente von Architektur, weshalb der Grand Canyon einen ersten Schritt in einen anderen Abschnitt populärer Motive bildet, als wäre er Architektur, geschaffen von Mutternatur. Inspiriert von einem Bild des Künstlers David Hockney beschäftigt sich Kellner mit der Verbindung seiner Methode „Visual Analytical Synthesis“ und dem Thema „Grand Canyon“, das gleichzeitig Titel ist. Neben dieser Motivänderung bestimmt die Idee von größeren Dimensionen das Arbeiten des Künstlers. Mit 60 fotografischen Filmen und 2160 Einzelbildern ist der „Grand Canyon“ das größte Kunstwerk aus Kontaktbögen und beschreibt ebenso wie die Wahl des Naturthemas den Willen zur Erreichung neuer Ziele und ein Symbol für die persönliche Steigerung Thomas Kellners und seiner Arbeit mit Kontaktbögen.

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