Fotografische Positionen der Gegenwart

Fotografische Positionen der Gegenwart – Ein Jahr zwischen Ausstellung, Atelier und internationalem Dialog

Jahresrückblick 2025 – Höhepunkte und internationale Resonanz

Künstlerische Höhepunkte

Der Jahresrückblick 2025 zeigt echte Höhepunkte von Thomas Kellners künstlerischen Aktivitäten: ein Jahr voller Ausstellungen, internationaler Projekte und intensiver Atelierarbeit. Von Siegen bis Chisinau, von Deutschland über Frankreich bis nach China – Kellners Fotografie hat einmal mehr weltweit Resonanz gefunden. Im Mittelpunkt stehen sowohl langjährige Werkserien als auch neue Projekte wie Facetten der Großstadt nach August Sander und Fragmented Icons, die gesellschaftliche, architektonische und kunsthistorische Themen kunstvoll miteinander verbinden. Zugleich spiegelt sich im Rückblick die Anpassung an veränderte Medienlandschaften, neue Kommunikationswege und den kontinuierlichen Dialog mit Publikum und Institutionen wider. 2025 war zudem ein Jahr getragen von Hoffnungen: der Hoffnung auf ein Ende des Krieges in der Ukraine und auf eine neue wirtschaftliche Stabilität. 

Internationale Projekte und Kooperationen

Es war ein starkes Jahr, das erneut zeigte, wie eng Thomas Kellner sowohl regional als auch international vernetzt ist. Große Projekte konnten umgesetzt, neue Kooperationen initiiert und wichtige Meilensteine erreicht werden. Mit dem Blick auf 2026 setzt Kellner seine künstlerische Reise fort: Neue Ausstellungen, Publikationen, internationale Kooperationen und die Weiterentwicklung seiner Projekte stehen bevor. 

Gesellschaftlicher Kontext und künstlerische Relevanz

Der Rückblick verdeutlicht einen Künstler, der Tradition, Innovation und gesellschaftliche Relevanz verbindet und Fotokunst als lebendigen, dynamischen Prozess versteht.

Atelierarbeit 2025 – Facetten der Großstadt und neue Projekte

Porträts nach August Sander: Mikrozensus in Siegen

Selten war ein Jahr im Atelier von Thomas Kellner so intensiv wie dieses. Für das Projekt Facetten der Großstadt – nach August Sander porträtierte er im Jahr 2025 insgesamt 334 Menschen – oder genauer: 333 reale Personen und eine bewusst gesetzte Ausnahme.


Die KI-Bürgermeisterin als kulturpolitisches Statement

Denn eine Figur entstand als KI-generierte Bürgermeisterin, gedacht als kulturpolitisches Statement im Kontext des nordrhein-westfälischen Kommunalwahlkampfs. Die porträtierten Menschen spiegeln in ihrer Vielfalt die soziale Realität der Region wider: Sportlerinnen und Sportler aus zahlreichen Vereinen, Mitglieder des Karnevalsvereins, Angestellte der Diakonie Südwestfalen, MitarbeiterInnen des Kreises Siegen-Wittgenstein sowie drei Chöre prägten das Bild dieser vielstimmigen Gesellschaft. Besonders berührend waren für Kellner die Porträts von Paaren – vom frisch verliebten Paar über langjährige Weggefährten bis hin zur Diamantenen Hochzeit. Ihnen allen gilt sein Dank, ebenso wie den Vereinen, Institutionen, Verwaltungen und Unterstützern, die dieses umfangreiche Projekt möglich gemacht haben. 

Vorbereitung neuer Serien: Europe 1st

Während sich ein großes Projekt dem Abschluss nähert, hat das nächste längst begonnen: Europe 1st, so der Arbeitstitel, führt Thomas Kellner durch die Metropolen Europas. Die Ausstellung in der moldawischen Hauptstadt Chisinau erwies sich dabei als idealer Auftakt, denn hier konnte Kellner einen seiner charakteristischen Kontaktbögen anlegen und das neue Projekt erstmals sichtbar machen. Seit vielen Jahren reift die Idee, Europa fotografisch neu zu vermessen – nicht als politische Einheit, sondern als kulturellen Resonanzraum. Nun scheint der Moment gekommen, dieses ambitionierte Vorhaben umzusetzen. „Europe 1st“ verspricht eine vielschichtige Bestandsaufnahme eines Kontinents im Wandel, gesehen durch den präzisen und zugleich poetischen Blick eines Künstlers, der Struktur und Zeit in Bilder übersetzt.

Ausstellungen 2025 – National und international

Einzelausstellungen in Deutschland und Moldau

Im Jahr 2025 zeigte sich die internationale Reichweite von Thomas Kellners Werk einmal mehr deutlich: Insgesamt elf Gruppenausstellungen, eine Präsentation auf einer Kunstmesse sowie drei Einzelausstellungen dokumentieren seine Präsenz in Deutschland – unter anderem in Frankfurt, Berlin, Düsseldorf, Köln, Siegen, Dortmund und Hamburg – sowie in Polen (Poznan), China (Taizhou), der Republik Moldau (Chisinau) und Frankreich (Lyon). Besonders bemerkenswert war die erstmalige Einzelausstellung in einem Nationalmuseum in Moldau, die Kellners neue Serie Facetten der Großstadt nach August Sander präsentierte. Zeitgleich ging die viel beachtete, fast retrospektiv angelegte Ausstellung Sights im Landesmuseum Kunst und Kultur Oldenburg Anfang 2025 erfolgreich zu Ende.

Logistische Meisterleistung: Internationale Transporte

Für den logistischen Ablauf insbesondere internationaler Projekte dankt Kellner seinen Partnern, allen voran der Burbacher Firma Kühne & Nagel, deren Engagement punktgenaue Transporte erst ermöglicht hat – ein Faktor, der bei Ausstellungen außerhalb Europas entscheidend ist. Zum zweiten Mal wurde Kellner für den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen nominiert und präsentierte in Dortmund die Arbeit der Werthenbacher Kapellenschule im Museum für Kunst und Kulturgeschichte.


Rückblick auf bisherige Ausstellungsstatistik

Insgesamt blickt Kellner mittlerweile auf fast 600 Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen zurück: 125 Einzelausstellungen, 363 Gruppenausstellungen und 102 Kunstmessen. Dauerhafte Präsentationen, etwa im Capitol Bad Berleburg, setzen seine Arbeit zudem regional in Szene, ergänzt durch besondere Formate wie das „Thomas Kellner Zimmer“ im Hotel im Auerbachtal.
Das Ausstellungsgeschehen zeigt jedoch auch strukturelle Herausforderungen: Pandemiebedingt verschobene Termine reduzieren aktuell immer noch den Raum für neue Projekte, während sinkende Budgets, Inflation und eine schwindende Wertschätzung in den Haushalten von Kultur die Lage zusätzlich erschweren. Trotz dieser Hürden beweist Kellner ein feines Gespür, lokal entwickelte Projekte in bundesweite oder internationale Kontexte zu überführen. Beispiele dafür sind Ausstellungen zu den Fachwerkhäusern von Bernd und Hilla Becher sowie zu August Sander, zwei der einflussreichsten Fotografen der Neuzeit, deren Arbeiten er in Bezug zu seiner Heimatregion setzt und damit Vergangenheit, Gegenwart und künstlerische Kontinuität verbindet.

Museale Bewahrung und Sammlungen

Öffentliche Sammlungen und Museumspräsenz

Mittlerweile bewahren rund 45 Museen und öffentliche Sammlungen mindestens 360 Werke von Thomas Kellner, Tendenz steigend. Entsprechend wächst auch das Interesse an musealen Präsentationen, die seine Arbeiten in immer neue Kontexte stellen. Ob regional verankert im Siegerland und in Südwestfalen, kulturhistorisch im Spannungsfeld von Industrie, Arbeit und Religion oder gesellschaftlich im Spiegel aktueller Fragestellungen – Kellners Werk bietet vielfältige Anknüpfungspunkte. 


Architektonische, kunsthistorische und gesellschaftliche Lesarten

Auch architektonische, kunsthistorische und wissenschaftliche Lesarten gewinnen an Bedeutung. 

Besonderheit der analogen Fotografie im digitalen Zeitalter

Während künstliche Intelligenz Bilder zunehmend aus statistischen Wahrscheinlichkeiten generiert, arbeitet Kellner seit drei Jahrzehnten bewusst mit Zufall, Fehler und Struktur. Gerade darin liegt die besondere Qualität seiner Fotografien: Sie sind keine Simulationen, sondern visuelle Zeugnisse einer realen, erlebten Welt, in der sich Zeit, Raum und Wahrnehmung neu ordnen.

Publikationen 2025 – Monografien und Ausstellungskataloge

„Facetten der Großstadt nach August Sander"

Die 34. Monografie

Ein echter Meilenstein ist der neue Katalog "Facetten der Großstadt nach August Sander", der insbesondere in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten glänzt und Licht auf das neue Jahr 2026 wirft. "Facetten der Großstadt nach August Sander" ist das neueste Fotobuch- und Ausstellungsprojekt des deutschen Fotokünstlers Thomas Kellner – seine 34. Monografie und eine künstlerische Hommage an den bedeutenden Porträtfotografen August Sander.

Er war einer der Gründe, warum Kellner nach dem Studium in der Region Siegerland, Wittgenstein, Mittelhessen und Westerwald blieb. Kern des Vorhabens ist eine zeitgenössische dokumentarische Porträtserie, in der Kellner 1 % der Bevölkerung der Stadt Siegen – rund 1.056 Menschen – nach demografischen Kriterien fotografisch erfasst, ähnlich einem visuellen Mikrozensus.

Dieses klassisch-fotografische Projekt greift Sanders traditionelles Konzept auf, über Porträts gesellschaftliche Vielfalt sichtbar zu machen, interpretiert es aber neu in Farbe und mit zeitgenössischer fotografischer Methodik.

Essays und kuratorische Begleitungen

Das gleichnamige Buch, das im Herbst 2025 erschien, präsentiert 60 ausgewählte Arbeiten aus der Serie und wird durch Essays begleitet, die soziologische (Thomas Meyer), kunsthistorische (Moritz Neumüller) und persönliche Zugänge (Noa-Kristin Strunk) zur Arbeit Kellners eröffnen.

In seiner Auswahl reflektiert "Facetten der Großstadt" Fragen nach Identität, sozialer Struktur und urbaner Gegenwart und öffnet damit einen zeitgenössischen Blick auf das urbane Leben im 21. Jahrhundert.

Dank gilt an dieser Stelle all jenen, die sich sowohl privat als auch über die Plattform Kickstarter an der Schwarmfinanzierung für den Ausstellungskatalog zur Ausstellung in der Art Galerie Siegen sowie im Nationalmuseum der Künste in Chisinau beteiligt haben.

Schwarmfinanzierung und Kooperation mit seltmann publishers

Ein bißchen ist Thomas Kellner stolz darauf in dieser Rezension bereits den vierten Katalog präsentieren zu können. Dank gilt vor allem dem Verlag seltmann publishers der treu an Kellners Seite stehen bleibt und all jenen, die in einer Schwarmfinanzierung das in 2025 begonnene Projekt Facetten der Großstadt nach August Sander nun gerettet haben. Schon die Doppelseite im Verlagsprospekt ist ein Hingucker.

  • Oliver Seltmann (Hg.), Thomas Kellner. Facetten der Großstadt nach August Sander / Thomas Kellner. Facets of the City after August Sander, Berlin 2025.

Weitere Kataloge

Neben den Monografien sind es die weiteren Ausstellungskataloge solch renommierter Ausstellungen und Preise wie dem Staatspreis Manufactum des Landes Nordrhein-Westfalen, die für eine langfristige Erinnerung an das künstlerische Werk sorgen.

  • Westdeutscher Handwerkskammertag (Hg.), Manufactum Staatspreis. Staatspreis für Angewandte Kunst und Design im Handwerk Nordrhein-Westfalen 2025, Düsseldorf 2025.

Regionale Berichterstattung der Printmedien

Danke vor allem auch an die Redaktion der Westfalenpost und den AK-Kurier, die in Siegen für die Tagesberichterstattung immer wichtiger werden und vor allem immer noch ein Ohr und Druckerschwärze für die Kultur haben. (Ich finde ja zurecht für den zweitgrößten Wirtschaftszweig in NRW)

Steffen Schwab, Siegen: Diese neue Bürgermeisterin gibt es gar nicht, in: Westfalenpost, 20.8.2025.

Regionales Radio über Thomas Kelllner

Über Anfragen der Radiosender freut man sich im Atelier immer sehr. Radio Siegen hatte Thomas Kellnergleich zweimal in 2025 auf Sendung: 

  • Marco Federhenn, Laßt uns reden 2025.
  • Schirmer, Tom und Bald, Paul, KI – Künstliche Intelligenz. KI Bürgermeisterin bei Facetten der Großstadt 2025.

Online-Veröffentlichungen

Die Zukunft sind sicherlich Online-Veröffentlichungen von Bloggern, Zeitschriften und Zeitungen, aber auch Institutionen. Bisher bilden wir in den Publikationsverzeichnissen die Ausstellungshäuser und Galerien nicht ab, da sie schon als solches gelistet sind. Dennoch sind darunter viele, die sehr engagiert schreiben und deren Artikel wir in Zukunft mit berücksichtigen sollten. Sights in Oldenburg, Fragmented Icons in Frankfurt und das Projekt Facetten der Großstadt fanden Online ein Medienecho. Danke für die Reichweite!

Berichte über kuratorische Projekte des Fotokurators

Besonders freut es auch immer, wenn die kuratorischen Projekte von Thomas Kellner, auch wenn sie sie nur noch in der Ferne stattfinden, Resonanz in Papier und Online finden. Insbesondere der durchblick mit seiner sehr hohen Auflage hat das Zeug, das Printmedium mit der längsten Verlagsgeschichte zu werden.

Kunstschlussverkauf 2025 – Pop-up-Format und Begegnung

Konzept und kuratorische Intention

Unter dem programmatischen Titel Platz für Neues öffnete Thomas Kellner im Herbst 2025 einen besonderen Raum für Kunst, Begegnung und Aufbruch. Vom 25. Oktober bis zum 30. November ludt der Fotokünstler im FJM-Quartier in Siegen im 4. Obergeschoss – zu einem umfangreichen Kunstschlussverkauf ein. An den Wochenenden, jeweils samstags und sonntags von 10 bis 16 Uhr, wurde dort ein breiter Querschnitt seines fotografischen Œuvres zugänglich gemacht. Der Anlass war ebenso pragmatisch wie symbolisch: Es ging darum, Raum zu schaffen – physisch wie gedanklich – für neue Projekte, neue Ideen und neue Perspektiven. Gleichzeitig eröffnete sich für Kunstinteressierte die seltene Gelegenheit, Arbeiten eines international etablierten Fotografen zu reduzierten Preisen zu erwerben.

Gezeigte Werkphasen und Sonderangebote

Der KSV, wie der Kunstschlussverkauf bewusst genannt wurde, war mehr als ein Abverkauf. Er versteht sich als temporärer Ort der Begegnung, als Pop-up-Format zwischen Atelier, Galerie und Marktplatz. Gezeigt wurden Arbeiten aus unterschiedlichen Werkphasen: ikonische Kontaktbögen der Serie Monumente (1997–2010), die dynamischen Stadtbilder der Reihe Tango Metropolis (2003–2018) sowie die poetisch-abstrakten Wasserstudien der Serie Flucticulus (2015–2020). Ergänzt wurde das Angebot durch Fotobücher, Editionen, Poster und ausgewählte Objekte. Jede Woche warteten neue Preisaktionen, zudem ist das gesamte Sortiment auch über einen begleitenden Onlineshop zugänglich – Kunstkauf ohne Schwellenangst, direkt aus dem Atelier heraus.

Kooperationen mit regionalen Partnern

Der Kunstschlussverkauf entstand in Kooperation mit der Sparkasse Siegen Immobilien sowie IBF Siegen, zwei regionalen Partnern, die nicht nur Immobilien vermitteln, sondern den kulturellen Standort aktiv mitgestalten. Ihr Engagement unterstreicht, dass Kunst, Stadtentwicklung und wirtschaftliche Verantwortung zusammengehören. Der Ort selbst – das FJM-Quartier – wurde so temporär zum kulturellen Treffpunkt, an dem Sammlerinnen, Neugierige und Kunstinteressierte zusammenkamen.

Biografische Bedeutung und Neuausrichtung

Hinter dem Projekt steht jedoch auch eine biografische Zäsur. Mit dem Ende des Ateliers in der Friedrichstraße 2019 schloss sich ein Kapitel, das über zwei Jahrzehnte hinweg Ausstellungen, internationale Kooperationen und das Netzwerk photographers:network hervorgebracht hatte. Der Verlust dieses Ortes bedeutete Einschnitt und Neuausrichtung zugleich. Platz für Neues ist daher mehr als ein Verkauf: Es ist ein Übergang, ein bewusster Schritt nach vorn. Er schafft Raum für kommende Projekte wie Facetten der Großstadt oder Zerlegte Ikonen und lädt dazu ein, Teil dieser Bewegung zu werden. Wer hier ein Werk erwarb, kaufte nicht nur Fotografie – sondern beteiligte sich an der Fortsetzung einer künstlerischen Geschichte.

PraktikantInnen

2025 war wieder ein Jahr mit wunderbaren PraktikantInnen in meinem Atelier. Die Mischung war interessant. Nemo le Marié und Remi Bouisou kamen von der Universität Orleans aus dem Studiengang Wirtschaft und Kommunikation, Charlotte Marquardt aus dem Studiengang Sprache und Kommunikation so wie Literatur Kultur Medien und dem Schwerpunkt Englischer Sprache. Inola Tarres bewarb sich aus dem französischen Reins klar mit dem Ziel "Englisch" mit Kompetenzen in Social Media und arbeitete hier intensiv an modernem Video in Social Media Formaten, Iuliano Moretti Paredes bestach mit kunsthistorischen Kenntnissen von der Goethe Universität Frankfurt. 

Kuratorische Tätigkeit – Internationale Gruppenausstellungen

Pingyao International Photography Festival, China

Im Jahr 2025 setzte Thomas Kellner seine kuratorische Arbeit auf internationalem Parkett fort und präsentierte eine herausragende Gruppenausstellung beim renommierten Pingyao International Photography Festival in China. Unter dem Titel Where Time’s Echoes Repeat vereinte Kellner sieben internationale Positionen, die sich aus unterschiedlichsten Perspektiven mit der Frage auseinandersetzen, wie Erinnerung in Bildern fortwirkt. Dabei entstand kein thematischer Gleichklang, sondern eine feinsinnige innere Verwandtschaft: die Werke resonieren durch das Spannungsverhältnis zwischen individuellen Zugängen und kollektiven Erfahrungshorizonten.

Where Time’s Echoes Repeat: Konzept und künstlerische Konstellation

Im Zentrum der Ausstellung steht das Echo – jener Nachklang von Vergangenem, der unser gegenwärtiges Sehen prägt. Erinnerung erscheint nicht als abgeschlossenes Archiv, sondern als offenes Gefüge, in dem subjektive und gesellschaftliche Geschichte ebenso präsent sind wie atmosphärische Spuren und Materialitäten. So reflektieren Galina Kurlat, Stig Marlon Weston und Falk von Traubenberg die Umgebung als erinnernden Raum, Ari Salomon und Jolana Havelková untersuchen urbane und soziale Spuren von Abwesenheit, Pandemie und gelebter Erfahrung, während Frauke Thielking das Ephemere und Kindliche in poetischen Momenten feiert. Litera wiederum überführt Alltagsobjekte in komplexe Installationen, die gesellschaftliche Umbrüche und Transformationen spürbar machen.
Die Ausstellung entstand als Konstellation an Perspektiven, in der die einzelnen Arbeiten nicht isoliert wirken, sondern ein resonantes Miteinander bilden. In ihrer Gesamtheit eröffnet Where Time’s Echoes Repeat Schwellenräume zwischen Dauer und Vergänglichkeit, zwischen Sichtbarkeit und Verborgenem, zwischen Mensch und Natur – ein exemplarisches Beispiel für Kellners kuratorische Sensibilität, die aktuelle Trends erkennt, internationale Talente sichtbar macht und die Fotografie als dynamischen, reflektierten Dialog mit Zeit und Erinnerung versteht. Die Ausstellung wurde nicht nur ausgezeichnet, sondern bestätigte erneut Kellners Rolle als zentrale Stimme der zeitgenössischen Fotokunst.

Kuratorische Projekte in der Art Galerie Siegen

In der Art Galerie zeigten wir Ausstellungen von Robert Bailey, Uwe Reber und Matt Busch, Patrick Preller, Falk von Traubenberg, alias Falk.brvt als fotografische Position, die ich auch in Pingyao zeigte, Ed Heck und Ingo Schultze-Schnabl und konnten dem Publikum ein wirklich abwechslungsreiches Programm bieten. Die aktuelle Ausstellung Star Wars mit Arbeiten von Robert Bailey, Uwe Reber und Matt Busch läuft noch bis zum 31. Januar. Wir bedanken uns auch bei Kirsten Schwarz und Noa-Kristin Strunk für die informativen und unterhaltsamen Eröffnungsreden.

Kulturpolitik und Engagement

LWL-Kulturkonferenz und CPA-Symposium

Immer wieder findet sich Kellner in einem Kontext von Kulturpolitik wieder. So besuchte Kellner 2025 wieder einmal die LWL-Kulturkonferenz, dieses Mal nur als Teilnehmer. Diese Konferenz ist mittlerweile zu einem großen Forum angewachsen, an dem über 500 Personen aus allen Bereichen der Kulturarbeit zusammenkamen. Das zentrale Thema war auch hier KI.

Im Rahmen des CPA Symposiums diskutierten internationale Fotografieexperten über die aktuelle Rolle der Fotografie im globalen Austausch, die Entwicklung künstlerischer Formen und den Einfluss künstlicher Intelligenz. Nelson Ramírez de Arellano Conde, Direktor des Centro de Arte Contemporáneo Wifredo Lam und der Havanna Biennale, sprach über Boris Eldagsens AI-Arbeiten und dessen Performance beim Sony World Photography Award, die zentrale Diskussionen anstieß. Unter dem Motto Integrating and Sharing ging es um die crossover-Entwicklung der Fotografie, ihre Verschmelzung mit anderen Medien und die offene internationale Kommunikation künstlerischer Positionen. Immer wieder wurde das Thema AI diskutiert: Während Li Ge AI als überlegen bezeichnete, betonten Song Jing und Cao Ting, dass KI lediglich ein Werkzeug sei, das kreative Partner benötigt, und Thomas Ruff erklärte pointiert: „AI is stupid“. Nelson Ramírez machte deutlich, dass Fotografie stets Dokument ist, aber Dokumentarfotografie nicht automatisch Kunst darstellt. Das Symposium bot einen Raum für Austausch, Reflexion und internationale Vernetzung und unterstrich die Bedeutung von Fotografie als lebendiges Medium zwischen Technik, Kunst und Gesellschaft.

Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft

Thomas Kellner ist darüber hinaus in einer seit der Pandemie aktiven Gruppe unterwegs, regelmäßig Politikern die Bedeutung der Kultur-und Kreativwirtschaft zu verdeutlichen und die speziell die Situation der Solo-Selbständigen zu schildern.
Deutschland steht vor einer stillen, aber tiefgreifenden Krise in der Kultur- und Kreativwirtschaft: 1,8 Millionen Beschäftigte sind betroffen, viele Solo-Selbständige kämpfen mit existenziellen Unsicherheiten. Fast drei Jahre Pandemie, gefolgt von den wirtschaftlichen Folgen des Angriffskrieges in der Ukraine, hoher Inflation und globalen Unsicherheiten, haben die Branche stark belastet. Künstlerinnen, Musikerinnen, Schriftstellerinnen und Kulturveranstalterinnen berichten von drastisch gesunkenen Einnahmen, ausfallenden Auftrittsmöglichkeiten und erschwertem Zugang zu Fördermitteln. Die digitale Transformation und der Vormarsch künstlicher Intelligenz verschärfen die Situation, indem traditionelle Einnahmequellen unter Druck geraten und kreative Arbeit entwertet wird.

Forderungen an Politik und strukturelle Reformen

Kunst und Kultur sind jedoch systemrelevant: Sie sichern gesellschaftliche Vielfalt, fördern Reflexion und bilden das kreative Rückgrat einer lebendigen Gesellschaft. Gefordert werden deshalb kurzfristige Kriseninstrumente wie Stipendien und steuerfreie Grundhonorare, mittelfristige Maßnahmen wie Mindesthonorare und Marktstärkung sowie langfristige Strukturen, etwa eine NRW-Kulturkonferenz und Visionswerkstatt für Kultur und speziell Solo-Selbständige. Auch strukturelle Lösungen wie Branchenabgaben und Reformen sind notwendig. Die Politik ist aufgerufen, die kulturelle Arbeit nicht nur als Prestige, sondern als wirtschaftlich und gesellschaftlich unverzichtbar anzuerkennen, Einkommensperspektiven zu sichern und so das Kulturerbe von morgen zu schaffen.

Ausblick 2026 – Atelier, Projekte und Ausstellungen

Fertigstellung „Facetten der Großstadt“

Im Künstler-Atelier von Thomas Kellner richtet sich der Blick 2026 vor allem auf die Vollendung eines außergewöhnlichen Langzeitprojekts: Facetten der Großstadt – nach August Sander. Noch 169 Porträts fehlen im visuellen Mikrozensus, dem inzwischen 224 Anmeldungen gegenüberstehen. Bis zum Bild Nummer 1056, so die aktuelle Planung, wird Kellner voraussichtlich bis in den Frühsommer arbeiten. Vielleicht findet sogar das Osterfest mit Eierbaum, Osterhasen, flackerndem Feuer, oder ein Maibaum – noch Eingang in diese vielschichtige Chronik urbaner Gegenwart. Danach beginnt eine Phase der Konzentration und Präzision: Auswahl, Feinarbeit an den Bilddaten, dramaturgische Ordnung und die Vorbereitung der großen Ausstellung im November, die von weiteren Stationen begleitet wird. 

Europe First! – Europäische Spurensuche

Parallel dazu richtet sich der Blick bereits nach vorn. Unter dem Arbeitstitel Europe First! entsteht ein neues Projekt, das den Künstler kreuz und quer durch den Kontinent führen wird – eine fotografische Spurensuche nach Identität, Wandel und Gegenwart. 

Ausstellungsprogramm 2026: BBK Bonn, Biennale Houston

Die Ausstellungen 2026 werden sicherlich geprägt von 200 Jahre Fotografie und dem 150. Geburtstag von August Sander. Den Auftakt 2026 macht Thomas Kellner im BBK Bonn, wo er seit 2025 Mitglied ist. Eine Mitgliedschaft in Berufsverbänden ist für den Informationsfluss auf der einen Seite und für die Stärkung der Vertretung andererseits wichtig. Nach einer pandemischen Pause der Mitgliedschaft beim BBK Westfalen hat sich Kellner dazu entschlossen dem BBK seiner Geburtsstadt beizutreten und neue Netzwerke aufzutun. Der Ausstellung in Bonn folgt eine Jubiläumsausstellung der Bienale in Houston Texas, wo Kellner an einer Rückschau der nominierten Entdeckungen teilnimmt. Ende des Jahres kommt es dann zur finalen Präsentation seines Werkes Facetten der Großstadt nach August Sander.

Medienarbeit und Online-Präsenz 2025

Die Medienlandschaft befindet sich im tiefgreifenden Wandel – auch und gerade in der Region. Wo es früher drei Tageszeitungen gab, sind heute nur noch zwei verblieben, und selbst diese berichten kaum noch kontinuierlich über unsere regionale Kunst und Kultur. Das klassische Feuilleton hat an Sichtbarkeit verloren, die kulturelle Berichterstattung im Hörfunk ist auf wenige Formate geschrumpft, und auch das Lokalfernsehen sucht noch nach seiner neuen Rolle für die Kultur zwischen Information und Unterhaltung. 

Soziale Medien, Newsletter und Reichweite

Parallel dazu verändert sich das Nutzungsverhalten des Publikums: Soziale Netzwerke verlieren an Reichweite und Bindung, während der Wunsch nach direkter, kuratierter Information wieder wächst. 

Print vs. Online: Trends in der regionalen Berichterstattung

Vor diesem Hintergrund hat Thomas Kellner mit Kunst in Siegen ein eigenes Format etabliert, das sowohl digital als auch über einen regelmäßig erscheinenden Newsletter funktioniert und großen Zuspruch findet. Im Vier-Wochen-Rhythmus informiert er über seine aktuellen Projekte, ergänzt um Ausstellungen und Entwicklungen der regionalen Kunstszene. Zusätzlich werden weiterhin gezielt regionale und überregionale Medien bedient, gestützt durch die kontinuierliche redaktionelle Arbeit auf der eigenen Website. Für 2026 rechnet Kellner mit besonderer Resonanz auf sein Projekt Facetten der Großstadt nach August Sander sowie auf die weiter tourende Ausstellung Fragmented Icons, die noch bis März mit der Galerie Bernd Lausberg in Düsseldorf zu sehen ist.

Atelier

Atelieröffnungen und exklusive Begegnungen („Schatzsuche im Atelier“)

Ab 2026 öffnet Thomas Kellner regelmäßig sein Atelier: In kleiner Runde, nach Anmeldung, lädt er zu Gesprächen, Einblicken und Entdeckungen ein – und mit etwas Glück lässt sich bei dieser Schatzsuche auch der eine oder andere Geheimnis oder Kunstschatz heben. Jeder Schrank, jedes regal und jede Schublade birgt Erinnerungen, Erfahrungen und Erlebnisse des Weltreisenden.
 

Fotokuratorische Arbeit und internationale Perspektiven

Ausstellungen und kuratorische Anfragen 2026

Als Fotokurator erwarten Thomas Kellner im kommenden Jahr zahlreiche internationale Anfragen. In diesen Tagen verschickt er seine jährliche Einladung an Künstlerinnen und Künstler, sich für seine Ausstellungsprojekte zu bewerben und neue Positionen vorzustellen. Besonders seine langjährigen Verbindungen zu den chinesischen Fotofestivals sowie zu den Kulturzentren in Deyang, Chengdu und Chongqing versprechen erneut ein dichtes und hochkarätiges Programm. Hinzu kommt eine zu erwartende Zusammenarbeit mit dem renommierten Fotofestival in Lishui, das sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Knotenpunkt der internationalen Fotoszene entwickelt hat. Damit zeichnet sich für 2026 ein Ausstellungsjahr ab, das nicht nur aktuelle Tendenzen der zeitgenössischen Fotografie sichtbar macht, sondern auch den kulturellen Dialog zwischen Europa und Asien vertieft – kuratiert mit jener Sorgfalt und Offenheit, die Thomas Kellners Arbeit seit Jahren prägt.

Kuratorisches Programm der Art Galerie Siegen

Für das kommende Jahr kündigt Thomas Kellner für die Art Galerie ein Programm an, das gleichermaßen Vielfalt, Haltung und kunsthistorische Tiefe verspricht. Den Auftakt macht die Malerin Susanne Krüger, deren Arbeiten den Blick in poetisch verdichtete Pflanzen- und Tierwelten lenken und Natur als seelischen Resonanzraum erfahrbar machen. Eine besondere Versuchung für Sammlerinnen und Sammler wird die Präsentation von Heather Fazzino, deren Werke strahlend und funkelnd mit sinnlicher Präzision und stiller Intensität überzeugen. Mit großer Freude ist zudem die wird der Dresdner Künstlers Detlef Schweiger angekündigt, der erneut beweist, wie selbstverständlich die Galerie künstlerische Positionen aus Ost- und Westdeutschland zusammenführt. Ergänzt wird das Programm durch Wolfgang in der Wiesche – Maler, Fotokünstler und Musiker aus Aachen – bevor das Jahr mit einem Höhepunkt schließt: Thomas Kellners Präsentation anlässlich des 150. Geburtstags von August Sander und dem Abschluss seines großen fotografischen Gesellschaftsporträts.

Kulturpolitik und gesellschaftliche Verantwortung

Die Kultur- und Kreativwirtschaft unter Druck

Mit Blick auf die Landtagswahlen 2027 erhebt Thomas Kellner deutlich seine Stimme – nicht parteipolitisch, sondern kulturpolitisch. Er fordert dazu auf, den politisch Verantwortlichen genauer auf die Finger zu schauen und unbequeme Fragen zu stellen. Denn im zweitgrößten Wirtschaftszweig Nordrhein-Westfalens, der Kultur- und Kreativwirtschaft, liegt vieles im Argen. Bundesweit arbeiten rund 1,8 Millionen Menschen in diesem Sektor, der in seiner Wertschöpfung längst klassische Industriezweige wie den Maschinenbau überholt hat. Rund 40 Prozent von ihnen sind Soloselbständige – hochqualifiziert, innovativ, flexibel, aber strukturell kaum abgesichert. Sie bilden den dynamischsten Teil einer Gesellschaft, die sich über Bilder, Narrative und kulturelle Produktion definiert. 

Reformbedarf, Sichtbarkeit und politische Verantwortung

Seit fünf Jahren wird über Reformen gesprochen, analysiert, evaluiert. Doch die politischen Antworten bleiben zögerlich und systemschonend. Statt mutiger Weichenstellungen dominieren Modellprojekte und zeitlich begrenzte Förderformate. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Kulturförderung im klassischen Sinne, sondern um die Entwicklung eines tragfähigen Wirtschaftsmodells für eine Branche, die Zukunft denkt, Identität stiftet und gesellschaftlichen Zusammenhalt ermöglicht. Die Wissenschaften müssten stärker eingebunden, neue ökonomische Modelle erprobt und strukturelle Absicherungen geschaffen werden, die Kreativen Planungssicherheit geben.
In einer durch und durch visualisierten Welt ist es paradox, dass ausgerechnet Bildschaffende kaum von der wachsenden Bedeutung ihrer Arbeit profitieren. Es braucht Stipendienprogramme, die Krisen abfedern, statt sie zu verwalten. Und es braucht politische Räume des Denkens: einen landesweiten Kongress, eine Zukunftswerkstatt von Landtag, LVR und LWL, die Kultur nicht als Kostenstelle, sondern als gesellschaftliche Ressource begreift. Jetzt wäre der Moment, Verantwortung zu übernehmen.

Schluss: Rückblick 2025 und Ausblick 2026

Fotografie als Prozess, Dialog und gesellschaftliche Praxis

2025 war für Thomas Kellner ein Jahr der Vielfalt, der Intensität und der Vernetzung – künstlerisch, kuratorisch und gesellschaftlich. Vom Atelier über internationale Ausstellungen bis hin zu einer neuen monografischen Publikation und kulturpolitischen Engagements zeigt sich ein umfassendes Bild eines Künstlers, der Fotografie als Instrument der Reflexion, Kommunikation und Identitätsstiftung begreift. Projekte wie Facetten der Großstadt nach August Sander oder Fragmented Icons machen sichtbar, wie Kellner Tradition und Innovation verknüpft, persönliche Narrative mit kollektiven Erfahrungen verbindet und dabei stets den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die Resonanz auf nationaler wie internationaler Ebene, sei es in Museen, Sammlungen oder Medien, unterstreicht die Relevanz seines Schaffens.

Perspektiven für 2026

Mit Blick auf 2026 setzen sich die künstlerischen Vorhaben fort: die Fertigstellung des Langzeitprojekts Facetten der Großstadt, schon in den kommenden Monaten, die Weiterentwicklung von Europe First! und eine Reihe hochkarätiger Ausstellungen bilden das Fundament für ein neues, spannendes Jahr. Gleichzeitig bleibt Kellner ein kritischer Beobachter gesellschaftlicher Strukturen, ein Förderer junger Talente und ein Vermittler zwischen Kunst, Öffentlichkeit und Kulturpolitik. Der Rückblick auf 2025 zeigt, dass Fotokunst bei ihm immer Prozess, Dialog und gesellschaftliche Erfahrung ist – ein lebendiges Werk, das sich kontinuierlich entfaltet, verbindet und inspiriert.

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