Nach August Sander
Facetten der Großstadt Schwarmfinanzierung
Brooklyn/New York. Thomas Kellners Kickstarter-Kampagne für Facetten der Großtadt nach August Sander, die fünf Wochen lang vom 29. März bis 4. Mai 2025 lief, war ein klarer Erfolg. Thomas Kellner sammelte 15.000 Euro von 135 Unterstützern und kann nun den Druck seiner 34. Monografie finanzieren.
Der Start dieser Kampagne erforderte eine dreiwöchige Vorbereitungszeit, in der Sammler und Galerien per E-Mail, Telefonanruf und Post kontaktiert wurden. Außerdem kümmerten sich das Team um Thomas Kellner um die Kommunikation in den sozialen Medien mit Texten und erstellten Videos auf Instagram und YouTube.
Kickstarter ist eine Crowdfunding-Plattform, die es Künstlern ermöglicht, ihre Projekte zu finanzieren, indem sie Beiträge von einer Gemeinschaft von Unterstützern erhalten. Hauptsächlich von Künstlern genutzt, werden ein Finanzierungsziel und eine Frist festgelegt, und die Unterstützer geben Geld im Gegenzug für exklusive Inhalte. Wenn das Projekt sein Finanzierungsziel bis zum Ablauf der Frist erreicht, erhält der Urheber das Geld, verfallen die offerierten Gelder der potentiellen Spender.
Es ist nicht das erste Mal, dass Thomas Kellner eine Kickstarter-Kampagne erfolgreich durchführt. Zur Erinnerung: Seine Kampagne mit dem Titel „Black and White“, als Referenz an den Beginn seiner Karriere und die Verwendung des komponierten Bildes, verlief 2025 erfolgreich und tourte als Ausstellung mit Katalog um die Welt.
Nach 10 Wochen erfolgreicher Arbeit freut sich das Team von Thomas Kellners Atelier nun auf den Druck des Kataloges, der im Herbst 2025, also kurz vor August Sanders Geburtstag, erhältlich sein wird.
Facetten der Großstadt nach August Sander
Siegen. Das aktuelle Projekt „Facetten der Großstadt nach August Sander“ von Fotokünstler Thomas Kellner erhält ein Fotobuch. Wirtschaftliche Turbulenzen innerhalb Deutschlands führen zu der Idee des Künstlers, dem Publikum die Möglichkeit zu geben, aktiv an der Veröffentlichung seiner 34. Monografie teilzunehmen. Ab dem 29.03. und bis zum 04.05.25 kann die Finanzierung online auf der Plattform Kickstarter unterstützt werden.
„Facetten der Großstadt nach August Sander“ ist eine Hommage an den berühmten deutschen Fotografen August Sander, welcher im 20. Jahrhundert zahlreiche unterschiedliche Menschen meist im Auftrag an verschiedenen Orten porträtierte. Diese Porträts sortierte der Fotograf anschließend in Mappen und begründete damit die Fotodokumentation. Thomas Kellner greift in seiner Hommage Sanders fotodokumentarische Methodik auf und fotografiert entlang der demografischen Statistik der Stadt Siegen 1% der Stadtbevölkerung. Um einen visuellen Mikrozensus zu kreieren, werden insgesamt 1056 Menschen porträtiert, bei denen es nicht von Relevanz ist wie alt sie sind, woher sie stammen, wer sie sind oder welcher Profession sie folgen. Jeder der sich in Siegen befindet, kann sich bei Thomas Kellner melden um porträtiert und Teil des Projektes zu werden. Durch die dokumentarische Methodik Kellners schafft der Künstler eine neue Perspektive auf die Gesellschaft einer zeitgenössischen Großstadt und bietet dem Betrachter der Porträts die Möglichkeit die Lebensrealitäten der Menschen visuell zu erleben. Fertiggestellt wird das Fotoprojekt anlässlich zu August Sanders 150. Geburtstag in 2026.
Das Fotobuch: Eine Hommage an August Sander
Das Fotobuch unter dem gleichnamigen Titel „Facetten der Großstadt nach August Sander“ ist ein geistiger Nachfolger des Werkes „Antlitz der Zeit“ von August Sander welcher mit diesem Fotobuch vor knapp einem Jahrhundert bereits 60 ausgewählte Porträts aus seinem Gesamtwerk präsentierte. Thomas Kellner wird in seinem Fotobuch ebenfalls 60 Porträts seines Projektes darstellen und damit eine verkleinerte Version des gesamten Mikrozensus erschaffen. Unterstützt werden die Kunstfotografien durch lesenswerte, kompetente Essays von Thomas Meyer, Moritz Neumüller und Noa-Kristin Strunk, die die Zusammenhänge und Unterschiede zwischen Kellner und Sanders Arbeiten herauskristallisieren, die Inspiration und Arbeitsweise Thomas Kellners näher erläutern und Einblicke in die faszinierenden Zusammenhänge zwischen Kunst und Soziologie geben. Die Veröffentlichung des Fotobuches wird durch eine Schwarmfinanzierung auf der Plattform Kickstarter vom 29. März bis 4. Mai 2025 finanziert. Kellners 34. Monografie wird im Oktober dieses Jahres erscheinen.
August Sander: Der Einfluss und das Erbe
August Sander war ein berühmter deutscher Fotograf, der von 1876 bis 1964 lebte und in Herdorf geboren ist. Herdorf ist eine Stadt nicht unweit von Siegen entfernt. Diese geografische Nähe, als auch die Nähe zur Fotodokumentation, durch welche Sander bekannt wurde, inspirierte Thomas Kellner dazu, selbst in der Nähe seines Vorbilds zu bleiben und seine Porträtserie in Hommage an August Sander in Siegen zu fotografieren. Angelehnt an die Arbeit seines Vorbildes, porträtiert der Fotokünstler verschiedene Menschen in unterschiedlichen Berufen und Orten für sein Projekt. Wichtige Unterschiede zwischen den beiden Arbeiten bestehen dennoch, welche auch im Fotobuch „Facetten der Großstadt nach August Sander“, im Essay von Moritz Neumüller, näher erläutert werden. Ein relevant zu erwähnender Unterschied besteht in der Tatsache, dass Thomas Kellner seine Porträts ausschließlich für das Projekt fotografiert, während August Sander diese erst später zu einem Ganzen in Mappen sortierte. Nach seinem Tod wurden die einzelnen Mappen Sanders u.a. auf sieben Buchbände aufgeteilt, aus denen speziell der sechste Band „Die Großstadt“ die Gesellschaft in verschiedenen deutschen Großstädten zeigte. Die Entscheidung Kellners, seine Porträts in nur einer einzigen Großstadt zu fotografieren, stellt demnach eine weitere Abgrenzung zu seinem Vorbild dar. Ebenfalls verzichtet Kellner auf die Verwendung seines eigenen Ateliers oder eines Studios als Hintergrund und die Final-präsentierten Porträts sind zwar stellenweise weniger stark saturiert, behalten aber dennoch ihre Farbe, anders als Sanders Fotografien, welche ausschließlich in Schwarz-Weiß gehalten waren.
Die Autoren: Zwischen Kunst und Soziologie
Thomas Meyer, Moritz Neumüller und Noa-Kristin Strunk stellen ihre akademischen Beiträge für „Facetten der Großstadt nach August Sander“ zur Verfügung. Als studierter Soziologe skizziert Thomas Meyer in seinem Essay den soziologischen Aspekt der Fotodokumentation Thomas Kellners. Die Soziologie ist der Porträtfotografie nahe gelegen und ihr Zusammenwirken bleibt oft unbedacht.
Moritz Neumüller ist als Kurator und Dozent im Bereich der Fotografie tätig und bietet mit seiner Erfahrung ein tiefes Verständnis für künstlerische Konzepte und visuelle Strategien. Der Aufsatz von Neumüller kontextualisiert die Arbeit von Thomas Kellner in einer kunsthistorischen Perspektive und analysiert die bildlichen Unterschiede zwischen August Sander und Thomas Kellners Gesellschaftsdokumentationen.
Durch die Nähe als Assistentin Kellners und dem eigenen kunstgeschichtlichem Hintergrund stellt Noa-Kristin Strunk eine weitere Bereicherung des Fotobuches in Form eines Aufsatzes dar, welcher sich mit der Person Thomas Kellner und seiner bisherigen künstlerischen Laufbahn beschäftigt.
Zusammen ergeben die Aufsätze von Meyer, Neumüller und Strunk eine wichtige Komponente zum Verständnis und zur Vertiefung von Kellners Projekt, da sie sowohl den Künstler und die Kunsttheorie näher beleuchten als auch einen soziologischen Aspekt mit einfließen lassen.
Thomas Kellner: Vom Zerlegen und Zusammenfügen
Thomas Kellner nutzt die Fotografie schon seit über 30 Jahren als Medium zur sozialen Reflektion. Bekannt geworden ist der Fotokünstler durch das Zerlegen und zu Neuem zusammenfügen von Architektur und wichtigen Monumenten. Das Zerlegen ist ein einschneidender Bestandteil Kellners Arbeit und zusammen mit seiner Nähe zu Grenzposten und Grenzarbeiten erweitert er die Denkweise der Betrachter seiner Bilder immer wieder auf neue Art, wodurch er vorher ungesehene Perspektiven anbietet. Architektur, Innenräume und nun die Gesellschaft in einzelne Teile zu zerlegen, beruht als Idee auf seinem Lebensweg, der selbst häufig von „Brüchen“ und Schicksalsschlägen übersät war. Durch den Ausdruck des Zerlegens in seiner Arbeit stellt der Fotokünstler seine eigenen Hindernisse dar, und durch die neu entstehenden Perspektiven der zusammengelegten Kontaktbögen und der Porträtserie wird der Stärke und das Wachstum nach den Brüchen Ausdruck verliehen.
Fotobücher: Immer noch relevant?
Heutzutage sind Fotobücher weniger gefragt als vor einigen Jahren noch. Dies hat insbesondere einen wichtigen Grund: Fotobücher stehen in Deutschland vor Finanzierungsproblemen, da steigende Produktionskosten, sinkende Fördergelder im Kulturbereich und eine allgemeine Zurückhaltung beim Kunstkonsum ihren wirtschaftlichen Erfolg erschweren. Der Markt für gedruckte Werke kämpft gegen die Konkurrenz digitaler Medien, während Verlage und Fotograf*innen zunehmend auf Crowdfunding oder Subventionen angewiesen sind. Dennoch bleiben Fotobücher relevant, weil sie als physische Objekte künstlerischen Ausdruck vertiefen, Sammler*innen ansprechen und die Fotografie als eigenständige Kunstform bewahren – gerade in einer Zeit, in der digitale Bilder oft nur kurz betrachtet und schnell vergessen werden, bieten gedruckte Fotobücher eine beständigere und bewusstere Art des Bilderlebens. Insbesondere gepaart mit akademisch geprägten Texten, welche das Verständnis für das Gesehene vertiefen können. „Facetten der Großstadt nach August Sander“ erscheint als Fotobuch um das beständige Bilderleben aufrecht zu erhalten und dem Betrachter die Möglichkeit zu geben, Fotografie spürbar erleben zu können.
Fotobuch: Facetten der Großstadt nach August Sander
Broschur / Paperback
Größe: 25 x 30 cm
Seiten: 240
Auflage: 500 oder mehr
Verleger: Erscheint bei seltmann publishers, Berlin
Begleittexte von
Dr. Thomas Meyer, Dr. Moritz Neumüller, Noa-Kristin Strunk
Mit Biographien der Projektbeteiligten
Schwarmfinanzierung auf Kickstarter 29. März bis 4. Mai 2025
Der Preis auf Kickstarter beträgt 40 Euro, der Verkaufspreis danach 48 Euro.