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5. Februar 2020: Thomas Kellner Jahresrückblick 2019

Siegen. Das Jahr 2020 gilt für Thomas Kellner wortwörtlich als Neuanfang und begann mit einem Standortwechsel auf den Wellersberg. Wehmütig schaut er zurück auf die großen Räume in der Friedrichstraße, welche bis vor kurzem noch Platz für seine Kunst boten. 2019 bedeutete für ihn Abschied von seinem alten Atelier und einen neuen Alltag, welcher nun von über 600 Umzugskartons bestimmt wurde. Die Folge daraus war die Absage seiner Teilnahme am Kunstsommer 2020 und das Ende der Kooperation mit dem Siegener Museum für Gegenwartskunst. Im Jahre 2000 hatte man den Siegener Künstlern seitens der Stadt Siegen noch ein Künstlerhaus in Aussicht gestellt, welches in einem von der Stadt zur Verfügung gestellten Haus eingerichtet werden sollte, doch von diesem Versprechen blieben 2019 nur noch leere Worte übrig. Wenn Thomas Kellner das letzte Jahr Revue passieren lässt, war dieses jedoch mehr, als nur die hoffnungsvolle Suche auf ein neues Domizil, Enttäuschungen über potentielle Geldgeber und betrügerische Immobilienmakler, sowie solche, die sich verleugnen ließen und andere, die so offensichtlich heuchelten, dass Kellner schlussendlich nur dankbar über die entstandene Ruhe sein kann. Neben all der Negativität des letzten Jahres zeichnete sich 2019 jedoch besonders durch seine vielen Erfolge aus, welche in guter Erinnerung bleiben werden.

An Ausstellungen und Aufträgen mangelte es Kellner im vergangenen Jahr jedenfalls nicht. Auf seine Arbeiten als Kurator, wie beispielsweise seine Ausstellung zur Industriefotografie in ShenYang folgte das jährliche Treffen des von ihm ins Leben gerufenen ArtCamps, ein internationales Künstlertreffen in Kellners Atelier, sowie seine zweite kuratierte Ausstellung zur Stillebenfotografie „Photo Trouvée“. Es folgten Einzelausstellungen in Almeria, Bath, Brasilia, Brühl, Dresden, Eschweiler, Leipzig, Münster, Saragossa und Siegen, an welche mehrere Gruppenausstellungen, wie beispielsweise die Mundlöcher auf der Eisernhardt oder seine Installation aus Linolschnitten, welche später für die Sammlung angekauft wurde, Anschluss fanden. Zudem veröffentlichte Kellner im letzten Jahr sein Buch all shook up, angelehnt an seine Ausstellung im amerikanischen Museum in Bath, sowie seine erste Bibliografie. Künstlerisch beschäftigte Thomas Kellner 2019 jedoch ganz besonders eine Auftragsarbeit für ein Sauerländer Unternehmen, welches eine Serie zur Werkgruppe flucticulus war. Vier große Wellen aus insgesamt vierundsechzigtausend 64.000 10 x 15 mm großen Fotos entstanden und verließen vor kurzem das Atelier des Fotokünstlers. Eine erste Arbeit aus diesem Werkkomplex hing 2017 bei dem Firmenunternehmen Hees Bürowelt in einer Ausstellung Kellners in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Siegen. So entstand wieder einmal eine erfolgreiche Kooperation zwischen Wirtschaft und Kunst. Zudem nahmen zahlreiche Museen Kellners Werke in ihre Sammlung auf, darunter beispielsweise das Tweed Museum of Art in Duluth, das National Museum of Contemporary Art in Bukarest, sowie die städtische Galerie in Bietigheim-Bissingen und das Museu Nacional da República in Brasilien. Auch seine Linolschnittarbeit, welche von der Arbeitsgemeinschaft Siegerländer Künstler zu Beginn nicht einmal aufgehangen werden wollte, wurde Teil der städtischen Kunstsammlung in Bietigheim-Bissingen mit dem Schwerpunkt auf zeitgenössischem Linolschnitt.

2020 beginnt für Kellner mit umfangreichen Ausstellungsplanungen für Nümbrecht, Mainz, Offenbach, Havanna und insgesamt fünf weiteren Stationen in Spanien. Ob es zu den drei Ausstellungen in China aufgrund der aktuellen Lage kommen wird, ist leider noch nicht entschieden. Auch die Ausstellung in Johannesburg, welche im vergangenen Jahr aufgrund des Umzugs und der daraus resultierenden Ateliersuche verschoben werden musste, ist momentan nicht gesichert. Thomas Kellner blickt der weiteren Arbeit und dem mit dem Umzug verbundenen Ordnung schaffen freudig entgegen. Einen „Gerhard Richter“ wird man aber vergeblich in der Papiertonne suchen, denn Kunst wird bei Kellner geschreddert. Aktuell arbeitet Thomas Kellner weiter an der Fortsetzung seiner Werkgruppe flucticulus und blickt voller Zuversicht in 2020.

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