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23.06.2011: Siegner Zeitung zur Ausstellung Ferit Kuyas

Ferit Kuyas stellt in der Art-Galerie Siegen aus

Der Nebel der Großstadt

Siegen. Der Fotograf Ferit Kuyas zeigt unter der Überschrift "Lichter Horizont" eine Auswahl seiner Fotografien in der Siegener Art-Galerie.

zel - Ferit Kuyas ist einer von 18 Fotografen, deren Arbeiten der Siegener Fotograf Thomas Kellner vom 25. Juni bis 3. Juli in seinem Atelier an der Friedrichstraße 42 in Siegen zeigt. In der Ausstellung "photographers:network" ist Kuyas mit einem Bild aus der Serie "Archetypes" vertreten. Wer mehr sehen will von dem 1955 in Istanbul geborenen Schweizer, wird in der Art-Galerie von Helga Oberkalkofen in Siegen fündig.
Archetypen in Schwarzweiß

Hier finden sich weitere "Archetypes" in Schwarzweiß - "gefundene Bilder", wie der Fotograf sagt, aus Schanghai, aus der Extremadura in Spanien und aus den USA. Obwohl die meisten Bilder in verschiedenen Jahren meist vor 2000 entstanden sind und an unterschiedlichen Orten, wirken sie als Serie. Das machen das Format (50 x 50 Zentimeter) und die laut Kuyas "universelle Bedeutung". Die Serie "Archetypes" ist seit 2009 abgeschlossen.
Kuyas' Arbeiten entstanden in Chongqing

Kuyas, der Architektur und Jura studiert hat, sieht sich nicht als Dokumentarfotograf. Er bilde nicht ab, sondern zeige seine persönliche Wahrnehmung. Besonders deutlich wird das in seiner Serie "City Of Ambition". Sie entstand von 2005 bis 2008 in Südwestchina, in der Riesenstadt Chongqing. Das Regierungsgebiet umfasst 32 Millionen Einwohner. Die "Hauptstadt des Nebels" hat Kuyas mehrfach besucht, weil seine "Schwiegerfamilie" hier lebt, mit China verbindet ihn eine tiefe Freundschaft.
Keine missionarische Tendenz

Die aufstrebende Stadt, "die es allen zeigen will", hat Ferit Kuyas jeweils von einem erhöhten Standpunkt aus aufgenommen. Zwei Flüsse fließen hier zusammen, Brücken winden sich, es ist viel Schwerindustrie, auch Umweltverschmutzung. Doch der Schweizer Fotograf hat "keine missionarische Tendenz", wie er sagt. Er wolle nicht extra auf die Umweltprobleme hinweisen, er biete einen Früchtekorb an von Dingen, aus denen sich jeder heraussuchen kann, was er mag.
Künstlergespräch im Museum für Gegenwartskunst

"Macht mir Angst", habe er als Reaktion in den USA gehört. Andere wiederum hätten eine besondere Ästhetik in dem hässlichen Umraum gefunden. Das liegt vielleicht an diesem Weiß, das Kuyas noch verstärkt hat. Alles ist so schön - vernebelt. Den Menschen kann man nur bis vor die Stirn gucken, dieser Stadt nur bis dahin, wo es der Nebel zulässt. "Ich mag keine satten Farben", sagt der Fotograf. Hier findet man auch keine, auch keine Aufregung, sondern Ruhe, Kontemplation. Stadtlandschaften liebt Ferit Kuyas, nicht nur solche im Nebel, sondern auch solche, die sich durch ihre Künstlichkeit auszeichnen, erleuchtete Häuserschluchten darbieten. Kuyas mietet sich da in Hotelhochhäusern ein, in einem Zimmer in der Mitte, und schaut den Städten, etwa Schanghai oder eben Chungqing, direkt ins Gesicht. Drei dieser "Cityscapes" sind in der Art-Galerie zu sehen. Kuyas' Ausstellung "Lichter Horizont" wird am Sonntag, 26. Juni, um 11 Uhr in der Art-Galerie eröffnet. Am Samstag, 25. Juni, ist Kuyas zusammen mit fünf weiteren Fotokollegen im Vortragsraum des Museums für Gegenwartskunst anzutreffen, darunter auch Michael Wagener und Marc Baruth aus Siegen. Die Präsentation mit Künstlergespräch findet von 10 bis 12 Uhr statt.
23.06.2011 19:01

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Sein Horizont ist weiß: Der Schweizer Fotograf Ferit Kuyas zeigt seine Arbeiten in der Siegener Art-Galerie, darunter solche, die in der chinesischen 32-Millionen-Stadt Chungqing entstanden sind. Foto: zel

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