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Virtual Magazin, 2002, Gunhild Mueller Zimmermann

Dr. Gunhild Mueller-Zimmermann: Sprung ueber den Teich und zurueck, in Virtual Magazin, 2002

Thomas Kellner ueberzeugte mit seinen Arbeiten Aussteller in Grenoble, Houston, Chicago und New York Seine Bilder sind zu sehen neben denen der ganz Grossen, neben den Pionieren und den Visionaeren der Architekturfotografie, neben Arbeiten von Hossard, Gaudin, Stieglitz, Atget, Sander, Strand, Man Ray, Kertész, Krull, Evans, Bourke-White, Capa, Bechers, Gursky oder Ruff - um nur einige der international wichtigsten Fotografen zu nennen, die ab 1. Juni im bekannten Musée de Grenoble unter dem Titel "Vues d'Architectures" gezeigt werden. Thomas Kellner, geboren 1966 in Bonn, der an der Siegener Uni ausgebildete Foto-Kuenstler, wurde vom renommierten Kurator der Ausstellung, dem Leiter des kunstgeschichtlichen Instituts der Sorbonne und kuenftigem Direktor des Musée d'Orsay, Serge Lemoine, als einer der 13 zeitgenoessischen Fotografen ausgewaehlt, der eine wichtige Position innerhalb der Architektur-Fotografie vertritt.

 

"Ich falle zehn Treppen rauf", kommentiert der in Siegen lebende Kuenstler diese Entwicklung, und "werde auf einem ganz anderen Niveau als bisher wahrgenommen": Anerkennung und Verpflichtung zugleich. Diese Anerkennung kommt natuerlich nicht von ungefaehr, denn Thomas Kellner, dessen Arbeiten aus dem "Europaeische-Monumente"-Projekt kuerzlich auch in Hamburg, Iserlohn, Frankfurt, Berlin, London, Leipzig, Lannion und Birmingham zu sehen waren und nicht nur den Big Ben, sondern auch den Koelner Dom und Eiffelturm in bewegte Taenze zu versetzen vermochten, ueberzeugt mit seinen Arbeiten auf Anhieb: Unbeschwert und heiter wirken sie auf den ersten Blick und fordern dennoch den Betrachter zur intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Perspektive, und damit den eigenen Wurzeln, heraus angesichts der Vielfalt und der ploetzlich sichtbar werdenden Bruechigkeit der gerade noch so festen Monumente.

 

Natuerlich genuegt es nicht, will man am Kunstbetrieb und gar im internationalen teilhaben, "nur" ansprechende Arbeiten zu liefern und mit einer eigenen, charakteristischen Handschrift zu ueberzeugen. Man muss auch praesent sein - und wahrgenommen werden. Deshalb zeigt Thomas Kellner auch seit Jahren - seit 1997 ist er freischaffend taetig - seine Arbeiten auf internationalen Foren. Seine Ausstellungsliste ist entsprechend "gut sortiert"! An die Ausstellungsbeteiligung in Grenoble ist er beispielsweise durch eine ganze Verkettung von "Praesenzen" gekommen: Er faehrt regelmaessig zum "Rencontres Internationale de la Photographie" in Arles und hat dort waehrend des Festivals seine Arbeiten in einem leerstehenden Ladenlokal gezeigt. Der Leiter des Photofestivals von Lannion sah seine Ausstellung und lud ihn 2001 zum Festival in die Bretagne ein. Den Katalog dieses Treffens wiederum sah Serge Lemoine und lud Thomas Kellner daraufhin ein, sich an der wichtigen Ausstellung in Grenoble mit zwei Arbeiten zu beteiligen. Aber auch in Amerika hat Thomas Kellner inzwischen "einen Fuss in der Tuer", was ja nicht allzu vielen Europaeern mit Fotografie gelingt. Im Maerz diesen Jahres nahm er am Houston Photo Festival teil, seit 18 Jahren einer der wichtigsten Treffpunkte fuer (Kunst-, nicht Werbe-) Fotografen auf der einen Seite und Aussteller, Galeristen, Kritiker, Museen und Verleger auf der anderen, ein "who is who" in Sachen Fotografie. Das Treffen, das diesmal unter dem Motto "Classicism and beyond" stand, ist als eine Art Casting organisiert, erzaehlt Kellner, bei dem man Termine fuer Gespraeche mit den gewuenschten Vertretern des Kunstbetriebes bekommt und seine Arbeiten praesentiert. Rund 60 Leute hat er gesprochen. Ergebnis (u.a.): Das Museum of Fine Art in Houston, das eine sehr bedeutende fotografische Abteilung besitzt, hat eine Arbeit von Thomas Kellner angekauft - "Big Ben", tanzend. Das Art Institut of Chicago hat bereits nachgezogen und gleich mehrere Arbeiten fuer die Collection of Photography erworben und auch in Deutschen Sammlungen findet man bereits seine Arbeiten.

 

In den USA ist er also jetzt so richtig oeffentlich. Im Februar 2003 wird er in der New Yorker Galerie "Rosenberg & Kaufman" seine Monumente-Ausstellung zeigen, waehrend eine der weltweit groessten Fotomessen laeuft, die der Association of International Photography Art Dealers. Von Februar bis Mai sind seine Arbeiten in der "Schneider Gallery" , Chicago zu sehen, waehrend der Internationalen Kunstmesse.

 

Weitere Ausstellungen sind in Planung - so sind Einzelausstellungen im walisischen Cardiff, Los Angeles, Portland, Denver und eventuell auch in Houston projektiert, ein New Yorker Verlag denkt ueber einen Fotokalender nach, das Magazin "Aperture" plant fuer das kommende Fruehjahr einen Artikel, das Projekt "Europaeische Monumente" soll eine amerikanische Entsprechung finden, ... Ab Mitte September gastieren Kellners Monumente in der Muenchener Galerie Objekte in der Kurfuerstenstrasse.

Müller-Zimmermann, G., 2002. Sprung über den Teich und zurück. In: Virtual Magazine 2000, No. 14/02.

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