ArtistPublications

Photographie 5-2001

Sabiene Ostmann: Thomas Kellner, in: PHOTOGRAPHIE, 5/2001

Eiffelturm, Tower Bridge, Koelner Dom – eigentlich sind dies „tot-fotografierte“ Motive, denen sich kaum noch neue Sichtweisen abringen lassen. Laengst werden diese Bauwerke nicht mehr nur als einzigartige Architekturen wahrgenommen, vielmehr fungieren sie als Repraesentanten von kulturellen Zusammenhaengen. Oft scheinen sie sogar zu blossen Zeichen geronnen.
 

Dem Siegener Fotografen Thomas Kellner ist das scheinbar Unmoegliche gelungen: Er fotografiert ganz bewusst Gebaeude in europaeischen Metropolen, die jeder Touristenbus ansteuert. Doch indem Kellner die Motive dekonstruiert, in Puzzle-Fragmente zerlegt und wieder zusammensetzt, oeffnet er ihre starre „Zeichenhaftigkeit“ und macht die Monumente neu erfahrbar.
 

BFF-Junior Kellner versetzt die Einzelteile auf seinen Architektur-Tableaux in Bewegung, laesst sie tanzen, bringt sie zum Einsturz. Doch was so spielerisch aussieht, ist minutioes geplant. Saemtliche Perspektiven und Details seiner Collagen stehen von vorneherein fest. Sei entsprechen den Bewegungen des Blickes, mit denen ein Betrachter die Fassade abtastet, um siech das Ganze zu erschliessen.
 

So entstehen kleinformatige Tableaux mit 12, 24 und 36 Bildern, ebenso wie groessere mit maximal 1293 (36 x 36) Einzelbildern. Die Referenzgroesse Film bleibt dabei stets Bestandteil des Bildes. Randstreifen und Bildnummern rahmen die einzelnen Fragmente ein, verweisen auf die Realitaet und geben dem nervoesen Tanz der Puzzleteile halt.

Ostmann, S., 2001. Portfolio Thomas Kellner. In: Photographie 2001, 5/2001, pp. 88-93.

Share