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Signale

Einmal Siegen – ganze Welt – und zurück

„Thomas Kellner – wer ist das eigentlich?“ Diese Frage bekommen wir in der Marketingabteilung immer mal wieder von interessierten Kolleginnen und Kollegen aus dem Haus gestellt. Der Mann, der u. a. die „Sparkassen-Kunstwerke“ schafft, die wir in den vergangenen zwei Jahren als Beigabe zu unseren Mitarbeiterbeteiligungen erhalten haben, ist Vielen sicher schon ein Begriff – Einigen aber wohl auch noch unbekannt. Gern nutzen wir die Gelegenheit und stellen den Künstler hinter den spannenden Bildern einmal in der SIGNALE vor. Dazu habe ich Herrn Kellner im Interview getroffen.
2010 fotografierte Thomas Kellner für die Sparkasse Siegen das Kundenzentrum Morleystraße; in 2011 folgte der Kofferturm am Kulturbahnhof in Kreuztal. (Das Motiv 2012 bleibt an dieser Stelle noch geheim – soll ja wieder eine Überraschung sein!)
Viele Fragen ranken sich seither um des Kellners Kunst. Klebt er seine Bilder aus einzelnen kleinen Fotos zusammen? Oder entstehen die großformatigen Bilder gar in Photoshop? Auf meine Bitte nach einer kurzen Erklärung, die auch ich als Laie verstehe, schmunzelt Herr Kellner im Interview und sagt: „Ich mache einfach 36 Aufnahmen – so viele sind auf einem Film – und es macht schlichtweg 36 Mal ‚Klick’.“ Ach so.
Ganz so „einfach“ ist es bei näherer Betrachtung dann natürlich nicht: Erst nach umfassender Planung der Aufnahme, Erstellung eines Storyboards und detaillierter Vermessung des abzulichtenden Gebäudes kann mit der tatsächlichen Umsetzung begonnen werden. „Dabei arbeite ich mich von links unten nach rechts oben am Gebäude entlang.“ In Serie entstehen die Einzelbilder, die später als großes Ganzes den Blick auf das Gebäude bestimmen. Das Ergebnis erscheint oft irgendwie fremd und bekannt zugleich – eben so als sähe man ein bekanntes Motiv durch ganz neue Augen. Oder haben Sie unser Sparkassen Kundenzentrum jemals zuvor so „ver-rückt“ gesehen?
Wenn Thomas Kellner Gebäude inszeniert, rückt er sie ab von der Statik und erweckt er sie zum Leben. Beton, Glas, Stahl – alles beginnt vor seiner Kamera zu tanzen. Was Künstler und Architekt Frank O. Gehry mit seinen „tanzenden Gebäuden“ beim Bau umsetzt (z.B. in Düsseldorf, Prag, Paris), entsteht bei Kellner sozusagen post-architektonisch vor seiner Linse.
Geboren 1966 in Bonn wusste Thomas Kellner schon in der Schulzeit, dass er gerne „was mit Kunst“ machen wollte. Als Sohn einer Kunstlehrerin und eines Musiklehrers lag jedoch zunächst ein Lehramtsstudium nahe, obwohl er immer mehr in die künstlerische denn in die pädagogische Richtung tendierte. Zum Studium kam er nach Siegen, wo er Kunst und Sozialwissenschaften studierte. Während des Studiums faszinierte ihn in der Kunst vermehrt die Fotografie und seine Abschlussarbeit wurde mit dem Kodak-Nachwuchsförderpreis ausgezeichnet. „Das war für mich ein entscheidender Wink damals“, berichtet Kellner. „Ich habe mir daraufhin vorgenommen – die nächsten fünf Jahre versuchst Du es einfach als Künstler zu leben. Ich hab mein ganzes Geld zusammengekratzt, meine Konten geplündert und bin in die USA geflogen um dort internationale Kontakte zu knüpfen und damit meine Arbeiten auch in den großen berühmten Galerien verkauft werden.“ Der Mut sollte belohnt werden: Er fiel schnell auf mit seinem Talent, knüpfte ein imposantes Netzwerk und konnte in der Kunstwelt erfolgreich Fuß fassen. Entsprechend beeindruckend liest sich seine Vita heute: Ausstellungen in Aarhus (Dänemark), Los Angeles, New York, Boston, Chicago, in Brasilia (Brasilien) und in Beijing (China). Galerien überall auf internationalem Parkett verkaufen seine Werke.
Heute ist er weltweit gefragt und viel unterwegs. Auf meine Frage, wie sich denn ein geborener Rheinländer nach inzwischen über 20 Jahren im Siegerland so eingelebt habe, lächelt er zunächst nur und sagt dann augenzwinkernd „Schwer! Aber ich habe inzwischen hier mit meiner Partnerin Wurzeln geschlagen, mein Atelier ist hier, in dem ich mich ebenfalls sehr zu Hause fühle. Das war immer mein Anker auf meinen vielen Reisen. Ich komme einfach immer wieder gern hierher zurück.“ Das freut sicher auch die Kulturszene der Stadt Siegen, denn hier ansässige Künstler wie Thomas Kellner stellen mit ihrem Wirken einen echten Mehrwert für die Region dar. Und das freut auch uns, denn wir dürfen schon jetzt gespannt sein, welches Gebäude Thomas Kellner in diesem Jahr für uns „ver-rückt“!

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