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fotoMagazin 8/2008 3

Thomas Kellner: Dancing Walls in fotoMagazin 8/2008

Thomas Kellner ist in Sachen Architekturvisionen ein kuehner Dekonstruktivist. Er nimmt sich ein Gebaeude, sucht sich eine signifikante Perspektive und zerlegt diese dann fotografisch in dutzende Einzelbilder, um sie schliesslich im fertigen Motiv fotografisch neu zusammenzusetzen – in der systematisch geordneten Abfolge seiner Filmstreifen.


Dabei bricht er in der Bildfolge spielerisch mit dem Prinzip der geraden Linie und laesst die Waende wackeln und tanzen, wenn er seine Filmstreifen zu einem Grossraster legt. Derlei leichtfuessig-elegant schwingende Architekturbilder sind Praezisionsarbeit. Jedes dieser analog auf Film belichteten Motive muss schliesslich am Ende ins große Gesamtbild passen. In dieser Perfektion geht dies wohl nur nach vorheriger Skizzierung und das macht der gebuertige Bonner, der heute in Siegen lebt. International bekannt geworden ist der 42-jaehrige Fotokuenstler mit seinen Architekturansichten bedeutender Baumonumente aus aller Welt. Ob Stonehenge, Roms Kolosseum oder der Pariser Eiffelturm - Kellner war da und hat die viel fotografierten Sehenswuerdigkeiten gesehen, wie keiner vor ihm. Nun interessieren ihn besonders die Innenansichten. In seinem „Dancing Walls“-Projekt hat er sich zwischen 2003 und 2006 intensiv der Innenarchitektur quer durch alle Epochen der Kunst- und Architekturgeschichte gewidmet. Wo bei seinen Outdoor Aufnahmen finstre Nacht oder blauer Himmel einen abstrakten Rahmen für die architektonische Raumskulptur lieferten, wird die gestalterische Herausforderung bei den Interiors noch komplexer. Das Motiv „Hearst Tower, New York 2006“ liefert ein gutes Beispiel für seine neue Art der Rauminszenierung. Statisch ruht die Bodenebene des Gebaeudes und gibt dem Bild halt. Hier, im ersten, untersten Filmstreifen, bleiben die Proportionen noch im Lot. Wir folgen den Linien der Stuetzverstrebungen nach oben und entdecken erste perspektivische Verschiebungen. Wo sonst das Himmelsgewoelbe blaeuliche Farbnuancen bot, mischt Kellner nun Fenstermuster und Deckengewoelbe als  Fluchtpunkte für flammig lodernder Saeulen im Großraum. Betrachten wir Bilder des obersten Filmstreifens, so scheinen sie für sich ohne Zusammenhang zum Nachbarfoto. Es sind diese collagierten Gedankengerueste eines malerisch konstruierenden Interpreten, die die (frueher einzig dem Konzept des Architekten dienende) Architekturfotografie beleben, ihr eine Kraft geben wie einst Lyonel Feiningers Gemaelden. Thomas Kellner liest die Melodie eines Gebaeudes und gibt ihm positive Schwingungen mit.   Manfred Zollner

>>> left page: Bristish Museum London 2004

>>> right page: Hearst Tower New York 2006

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