Artist Thomas KellnerPublications

SiegenerZeitung2006-07-28

SiegenerZeitung July 28 2006

Von Siegen aus in die Welt

Thomas Kellner als Foto-Experte nach China eingeladen

 

zel Siegen. In Siegen daheim, in der Welt zu Hause ist das Projekt »photographers:network«, das Fotograf Thomas Kellner in diesem KunstSommer zum dritten Mal auf die Beine gestellt hat, um internationale Fotografen miteinander zu vernetzen (wir berichteten). Eine Ausstellung im Atelier in der Siegener Friedrichstraße dokumentiert die kuratorische Arbeit Kellners vor Ort, kleine Kataloge mit den Arbeiten aller Teilnehmer werden um die Welt geschickt, unzählige E-Mails sowieso, die Fotografen lernen sich kennen, in Siegen und virtuell, und so wird das Fotografen-Netzwerk rund um den Globus von Jahr zu Jahr dichter. Jetzt hat das Projekt »photographers:network« eine besondere Anerkennung erfahren: Thomas Kellner ist eingeladen worden, beim »Meeting Place FotoFest Beijing« vom 24. bis 29. Oktober als einer von 30 Experten Arbeiten chinesischer Fotografen zu sichten und zu bewerten.

Fred Baldwin und Wendy Watriss, laut Kellner die »Ritter der Fotografie schlechthin«, wollen in Peking mit dem neuen Portfolio-Meeting Aufbauarbeit leisten – ganz so, wie sie es mit dem von ihnen gegründeten FotoFest Houston getan haben. Hier, wie inzwischen auch auf anderen Foto-Festivals, finden natürlich unzählige Ausstellungen statt und haben Fotografen und »Verwerter« wie Museumskuratoren, Festivalveranstalter, Vertreter von Bildagenturen, Journalisten, Verleger, Galeristen usw. die Möglichkeit, sich in so genannten »Portfolio-Meetings« persönlich zu begegnen. Bei einer Teilnahmegebühr von 2500 Euro eine große Chance – für das Geld fliegt ein junger Fotokünstler schwerlich rund um die Welt, um Vorstellungsgespräche zu führen.

Das »Portfolio-Meeting« könne man sich wie ein Casting in der Musikbranche vorstellen, erklärt Kellner. An sechs Tagen haben Fotografen die Möglichkeit »vorzusingen«, d.h. den etwa 130 »Verwertern« ihre Arbeiten zu zeigen. Sie bekommen ein Feedback und knüpfen Kontakte, die über den Tag hinaus weiterwirken. Locker 60 Kontakte mit Schlüsselpersonen seien bei so einem Portfolio-Meeting möglich, sagt Kellner, der 2002 selbst am FotoFest Houston teilgenommen hatte. Erfolgreich – denn im Jahr 2004 war er einer von zehn ausgesuchten Fotografen, die ihre Arbeiten in einer besonderen Ausstellung in Houston zeigen konnten. Beim Foto-Fest Houston fand Kellner eine Galerie in New York, einen Verleger in Großbritannien, Museumskuratoren kauften in der Folge seine Arbeiten...

2006 hat sich Thomas Kellner (neben rund 130 weiteren »Verwertern«) als Kurator für das »photographers:network« im Jahr 2007 beim FotoFest Houston in zehn Tagen rund 3000 bis 4000 Bilder angesehen. Aus diesen 130 Kuratoren haben nun die beiden – mittlerweile um die 80 Jahre alten – Foto-Missionare Baldwin und Watriss 30 ausgewählt, die beim neuen, großen Foto-Festival in Peking die Arbeiten von etwa 300 Fotografen aus China, Taiwan, Hong Kong und Macau sichten und beurteilen werden. Traditionelle dokumentarische Fotografie wird zu sehen sein, zeitgenössische Fotokunst und moderne Experimental-Fotografie.

Kellner fühlt sich geehrt, dabei sein zu dürfen. Die Einladung sei eine Anerkennung seines Projekts von Fotografen für Fotografen und dafür, wie er auf der menschlichen Ebene mit Kollegen umgehe. Und für sein Motto »Global denken, lokal handeln«. Von Siegen aus in die Welt.

Share