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Thomas Kellner - Monumente

Wer sich an allseits bekannte Monumente heranwagt, ist entweder unverbesserlich oder ein Experimentator, der gerade in der Reibung an abgedroschenen Motiven eine Chance wittert. Unterwegs in Paris, London, Lissabon, pilgert Thomas Kellner genau dorthin, wo die klimatisierten Busse ihre Gaeste entleeren und das Rascheln von Fluegeln aufgescheuchter Tauben fuer einige Momente durch kollektives Knipsen uebertoent wird. Doch Kellners Sicht ist von den an solchen Orten massenhaft erstellten Fotos diametral entfernt. Der Fotograf ueberwindet scheinbar die Schwerkraft und laesst die Bauwerke tanzen. In Fragmente aufgeloest wirken der Big Ben, der Eiffelturm, oder die Tower Bridge wie eine abstrakte Hommage an den steppenden Fred Astair. Gebaeude in Bewegung, zu einem Puzzle fragmentiert, abstrahiert und doch identifizierbar. Kellners Spiel mit der Verfremdung offenbart die Grenzen der Wahrnehmbarkeit und verdeutlicht zu gleich, wie tief sich die vermeintlichen Wahrzeichen der Metropolen in unsere Gehirne eingegraben haben. Inzwischen hat das anfaengliche Experiment kuenstleriche Reife und Unverwechselbarkeit erreicht, die ueberzeugt. Das vorliegende Buch bietet einen repraesentativen Ueberblick ueber die bisher erstellten Arbeiten. gemindert wird der positive Eindruck nur durch die klobige Typographie des Buches. Schade!

Thomas Kellner, Monumente, mit einem Text von Gerhard Glueher, 2001 erschienen im Locher Verlag, Koeln, ISBN 3-930054-42-6 (Photonews 2001)

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