Artist Thomas KellnerPublications

Kodak-Nachwuchs-Förderpreisträger 1995-98

Denis Brudna: Thomas Kellner; in: Kodak-Nachwuchs-Foerderpreistraeger 1995-98“, Cologne, Germany, exhibiton catalogue, 1998

Brudna, D., 1998. 1996/1. Thomas Kellner. In: Kodak Nachwuchs Förderpreis 1995-1998. Hamburg: Photonews-Verlag Hamburg. pp. 24-27.

 

Der Fall der Mauer und das Schengener Abkommen in der Europaeischen Union haben die Situation der deutschen Grenze dramatisch veraendert. Diese ist einerseits durchlaessiger geworden, andererseits gibt es gerade deshalb Bestrebungen, sich wieder staerker „abzugrenzen“.
 

Deutschland hat mehr Nachbarn als jedes andere europaeische Land. Neun Nachbarn und damit neun ganz unterschiedliche Grenzsituationen – insbesondere im Vergleich von Ost und West. Wer kennt schon die Grenzen des eigenen Landes? Viele fliegen eher nach Mallorca, als sich mir der Begrenzung ihres Landes zu befassen. Die praegnanteste deutsche Grenze ist Dank der Wiedervereinigung nur noch Geschichte, die anderen Grenzen sind je nach Wohnort und Reisevorlieben bekannt. Was bedeutet heute noch Grenze? Im territorialen, politischen, aber auch philosophischen und emotionalen Zusammenhang?
 

Thomas Kellner fuhr 1996 sechstausend Kilometer rund um Deutschland und machte Aufnahmen von der Grenze. Er hat die Grenze nicht auf nuechtern-topographische Weise dokumentiert, sondern Bilder mit der Lochkamera geschaffen. Seine Kamera legte er jeweils auf den Boden, belichtete zwischen zwei und dreissig Sekunden und hat damit eine ganz spezielle Sicht auf die deutsche Grenze festgehalten. Zwei umfangreiche Werkgruppen sind entstanden: Grenzgaenge und Blick nach draussen.
 

Thomas Kellner hat also seine Lochkamera nicht nur auf die unmittelbare Grenzsituation gerichtet, sondern ebenso aus Deutschland hinausgeschaut. Die Grenzhaeuschen, Zaeune und Schilder wirken merkwuerdig verlassen, als haetten wir die Situation von Grenze physisch nahezu ueberwunden. Stille und Verlassenheit vermitteln ein Gefuehl des Verlorenseins. Anders der Blick nach draussen. „Die Welt faellt tatsaechlich ins Bild“, schreibt hierzu Hubertus von Amelunxen „und wenn hier von einer Grenze jenseits der willkuerlich territorialen Beschraenkung die Rede ist, dann wird sie von einer physikalisch-chemischen Apparatur, einem Dispositiv, gesetzt, das durch die Natur ein ‚Grenzen-Werkzeug’ ist“.
 

Die auf dem Boden platzierte Lochkamera erfasst den aeusseren Raum auf ganz besondere Weise, die Begegnung mit dem Raum der Grenze und dem Raum ausserhalb von Deutschland wird geradezu koerperlich fuehlbar. Die hier im kleinen Ausschnitt praesentierte Serie war zugleich Thomas Kellners Abschlussarbeit an der Universitaet Siegen.
 

Im Herbst 1998 erscheint die Arbeit Deutschland, Blick nach draussen als Buch mit Texten von Hubertus von Amelunxen und Markus Hellenthal. (Denis Brudna in: „ (( ausgezeichnet )) „,
 

„Kodak-Nachwuchs-Foerderpreistraeger 1995-98“, Cologne, Germany, exhibiton catalogue, 1998)

>>> pinhole images from the German border

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